Das Üben von Achtsamkeit geschieht bei allem und
jederzeit: beim Gehen, Essen, Arbeiten, ... und insbesondere beim
Entscheiden.
Sie ist das Mittel, sich selbst auf die Spur zu kommen, und die Waffe,
in Spannungen bei sich auszuhalten.
Achtsamkeit bezieht sich nicht nur auf die Meditation, sondern auf das ganze alltägliche Leben im Ashram: arbeiten,
Gemeinschaft pflegen, Beziehungen aufnehmen, gehen, sitzen, essen, Freizeit gestalten, sprechen usw. Achtsamkeit zu üben ist Aufgabe für den ganzen
Tag. Gegenstand der Achtsamkeit ist das, was je jetzt ist. Beim Essen ist es das Aufhäufen von Nahrung vom Teller auf die Gabel, das Heben der Gabel
zum Mund, das Kauen, das Schmecken, das Schlucken, wieder Kauen usw. Achtsamkeit zu üben ist nicht möglich ohne Langsamkeit. Das langsame, achtsame
Essen ermöglicht, die Speisen viel intensiver zu schmecken, seine Sättigungsgrenze zu erleben und sie einzuhalten. Auch Ignatius von Loyola, der
Gründer der Jesuiten, legt in den Geistlichen Übungen Wert darauf, dass der Exerzitant sich beim Essen ordnet, und hat dazu einen Satz Regeln
niedergelegt (GÜ 210-217). Entsprechend geht es auch bei allen anderen Tätigkeiten darum, sie geordnet, das heißt achtsam, zu tun. Auf diese Weise
bleiben die Gedanken gesammelt. Andernfalls springen sie herum und beschäftigen sich mit irgendwelchen Fantasien. Diese lösen schnell ein Haben-wollen
und Genießen-wollen aus, damit Spannung und Unruhe, die sich erst lösen, wenn die Person entweder der Begierde nachgegeben hat oder es merkt und dabei
aushält. Die vier Meditationszeiten täglich sind ja so etwas wie Unterbrechungen des alltäglichen Lebens und ermöglichen, inne zu halten und dessen
gewahr zu werden, was ist, und wieder in den Frieden der Gegenwart Gottes zurückzufinden.